Wirklichkeitsträger

Désirée Wiesendanger beschäftigt sich  mit dem Thema der Fortsetzung. Ihre Vidoarbeit /Performance („Wirklichkeitsträger“) ist eine kritische Bestandesaufnahme der Ressource Stein und seiner Weiterverarbeitung oder vielmehr der gesteuerten „Entfaltung“ eines natürlichen Rohstoffs zum Massenprodukt. (Text von Kuratorin Catrina Sonderegger)

DSC07654 Wirklichkeitsträger (Diplomarbeit Désirée Wiesendanger, Zeughaus Teufen)

Video der Performance im Steinbruch: Wirklichkeitsträger

Lautgedicht

Ein Lautgedicht/Lautdialog von Désirée wiesendanger

 

m: quäääh  ff  ruuuh  harrr

ryyyh  züüü  fzzz  kää

k: reee  sääh  free  nöö

booo  ririri  zita  waah

m: fee  goooh  g  k

kna  südah  föö  zack

k: flat  zuu  ahahah  zuum

ziee  flaah  jäää

m: kabuh  ahhh  zügg  flahh

brr  zäh  kala  wusheleh

röh  bi  füüh  kik

k: zah  seh  rirr  kikowä

mähr  zirp  ehry  flah

w: kery  sanah  kada  wäg

 

m: = männlich = tiefe Stimme

k: = Kind = hohe Stimme

w: weiblich = neutral

Opus Incertum

Opus Incertum

Idee einer Performance. Eine erste Version:

DSC06242eigene, zeichnerische Auseinandersetzung mit Opus Incertum, direkt an eine Wand gezeichnet und mit Acrylfarben Zwischenräume ausgefüllt.

Diese Art des Bauens wurde auch opus antiquum genannt. Es ist ein Mauerwerk aus Bruchsteinen.

Mich interessiert den Urzustand der Steine. In einem Kieswerk werden abgetragene Steine neu aufgearbeitet und je nach Auftrag zerrieben und mit Zement gemischt (Beton). Die Kiesgrube stellt also ein Massenrohstoff her, sprich es nimmt es sich aus den vorhandenen Erdschichten.

Es gibt für mich nichts Ursprüngliches wie der Stein. Der Lesestein insbesondere. Jeder hat als Kind bestimmt Steine gesammelt. Als Erinnerungsstück oder als Untersuchungs – bez. Sammlerobjekt. Nicht nur Friedfertig wurde und wird der Stein genutzt. Man denke an die Anfangszeit unserer Vorfahren. Die Steinschleuder oder der Speer mit der Steinspitze, wurde zum Jagen aber sicherlich auch zu Kriegszwecken benutzt. Heute nehmen Demonstranten gerne Lesesteine um ihre Mitteilung steinhart zu unterstüzen. Die Auch zu rituellen Zwecken oder zur Heilung werden Steine auf den Körper gelegt. Seine Farben und Zuschreibungen sind vielfältig.

Meine Idee:

Ich stehe (mit grauem Gewand) in der Kiesgrube. Ein Laster entlädt vor mir das Geröll (Rückwärtsgang mit Piep… piep… Hydraulikgeräusch…. Abgase Kippen des Lastschiffes). Man höre sich nun einmal die Geräusch an. Industriell, Rational und dann wie ein Donnergrollen.

Ich lasse mich auf die Knie nieder und beginne nach einem ganz bestimmten Stein zu suchen. Ich habe keine Ahnung welchen und wie lange es dauert. Es geht nur darum das ich suche und so eine neue Ordnung, des Kieshaufens schaffe. Diese Ordnung geschieht unterbewusst. Es muss unmittelbar und unmissverständlich sein.

Es ist ein Pendant zur Virtualität. Dieses im-Kies-graben ist etwas ultimatives und reales. Es ist auch etwas kindliches, naives. Sich an etwas „festbeissen“ und nicht aufgeben bis ich DIESEN Stein gefunden habe. Es ist eine körperliche wie auch eine geistige Auseinandersetzung.

Mein Manifest